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Franz König

Pro Oriente

Polnische Pilgerfahrt nach Moskau im September

Gemeinsames Gebet von Katholiken und Orthodoxen für den Frieden – Initiative des Aachener Priesters Manfred Deselaers, der im Dialog- und Gebetszentrum im Bereich des einstigen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz tätig ist

Warschau, 08.08.17 (poi) Ein polnisch-russisches Versöhnungsprojekt hat der im Dialog- und Gebetszentrum im Bereich des einstigen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz tätige Aachener Priester Manfred Deselaers entwickelt. Auf seine Initiative findet eine Pilgerfahrt statt, die am 9. September in Warschau startet und nach Moskau und Kazan führen wird. Polnische Katholiken wollen dabei mit russischen Orthodoxen (und auch russischen Katholiken) um Frieden beten. „Unser gemeinsames Gebet ist wichtig für beide Völker, aber auch für ganz Europa, das ‚mit beiden Lungen‘ (der östlichen und der westlichen) atmen soll. Polen und Russen sind verpflichtet, auf diesem geistigen Fundament ein gemeinsames europäisches Haus zu bauen“, sagte Deselaers im Gespräch mit der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI.

Der 52-jährige Deselaers ist seit 1989 für die deutsch-polnische und die christlich-jüdische Versöhnung tätig. Seit 1990 lebt er in Oswiecim und ist dort im Dialog- und Gebetszentrum Auschwitz tätig, seit 2008 ist er auch Vizepräsident der Trägerorganisation. Seine Tätigkeit ab 1989 wurde durch eine Übereinkunft zwischen dem damaligen Krakauer Kardinal-Erzbischof Franciszek Macharski und dem damaligen Aachener Diözesanbischof Heinrich Mussinghoff ermöglicht. Heute gilt Deselaers als eine Symbolgestalt der deutsch-polnischen Versöhnung.

Die Idee zur polnisch-russischen Versöhnungswallfahrt entstand bei Treffen mit russischen Besuchern der Gedenkstätte im ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Deselaers war bereits drei Mal nach Russland eingeladen, wo er Moskau und Woronesch besucht hat. In Moskau kam er sowohl mit Katholiken als auch mit Mitgliedern der orthodoxen Bruderschaft der Verklärung Christi um den (ab 1997 zeitweise suspendierten) Priester Georgij Kotschetkow zusammen. Zu den Mitgliedern der Bruderschaft zählen bekannte Intellektuelle, Künstler und Schriftsteller. Im Zeichen des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution haben die Mitglieder der Bruderschaft die Initiative „Aktion der nationalen Buße 1917-2017“ ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, welche Verwüstungen die Oktoberrevolution im geistigen Leben des russischen Volkes angerichtet hat und wie man heute diese Wunden heilen kann.

Die Versöhnungswallfahrt hat einen starken marianischen Akzent. Bei seinen Russland-Besuchen war Deselaers bewusst geworden, welche Bedeutung die Ikone der Muttergottes von Kazan hat. Das Original der Ikone (möglicherweise handelt es sich aber auch um eine der frühesten Kopien) war nach der Oktoberrevolution zunächst nach Großbritannien und dann in die USA transferiert worden. Von dort gelangte sie nach Fatima und sollte dort bleiben, bis es eine Möglichkeit der Rückkehr nach Russland geben würde. 1993 wurde die Ikone Papst Johannes Paul II. geschenkt, der sie gern persönlich nach Kazan gebracht hätte. Dazu kam es nicht, aber im Jahr 2004 überbrachte eine vatikanische Delegation unter Leitung von Kardinal Walter Kasper die Ikone feierlich an den Moskauer Patriarchen.

Diese Geschichte war für Deselaers der entscheidende Anstoß für die Idee, nach Kazan zu pilgern und dort um Frieden zu beten. Ein weiterer Impuls war das Treffen von Patriarch Kyrill und Papst Franziskus in Havanna im Februar 2016. Damals schenkte der Patriarch dem Papst eine Kopie der „Kazanskaja“. Seither sehe er in dieser Ikone ein „Symbol und Werk der Versöhnung“, so der in Auschwitz tätige Aachener Priester.

Die 30-köpfige Pilgergruppe wird am 9. September in Warschau bei einer katholischen Messfeier verabschiedet. Anschließend werden die Pilger vor einer Ikone der „Kazanskaja“ in der orthodoxen Kathedrale der polnischen Hauptstadt um Frieden in der Welt beten. Am 10. September werden die Wallfahrer mit dem katholischen Erzbischof in Moskau, Paolo Pezzi, in der russischen Hauptstadt Gottesdienst feiern. Im Plan sind verschiedene Treffen mit den Orthodoxen, auch mit den Mitgliedern der Bruderschaft der Verklärung Christi. Am 13. September, einem Fatima-Tag, werden die polnischen Pilger an einer Fatima-Lichterprozession in der russischen Hauptstadt teilnehmen. „Ich hoffe auf eine geistige Annäherung zwischen Katholiken und Orthodoxen, zwischen Polen und Russen“, so Manfred Deselaers. (ende)