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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Scola

Signal an die nordafrikanischen Revolutionen

Signal an die nordafrikanischen Revolutionen

Wissenschaftliches Komitee der Stiftung „Oasis“ tagt in Venedig

Venedig, 20.06.11 (poi) Angesichts der Revolutionen in Nordafrika sei es notwendig, einen „christlichen Humanismus“ wiederzuentdecken, der für den Dialog mit dem Islam und mit den „Menschen guten Willens“ offen ist. Dies betonte der Patriarch von Venedig, Kardinal Angelo Scola, bei der Eröffnung der Tagung des wissenschaftlichen Komitees der von ihm begründeten Stiftung „Oasis“ (zu den Mitgliedern des Unterstützungskomitees dieser Stiftung zählt auch Kardinal Christoph Schönborn). Das Thema der Tagung lautet: Wohin gehen der Nahe Osten und Nordafrika? Die Revolutionen seien entstanden, weil insbesondere den jungen Menschen unveräußerliche Rechte – wie das Recht auf Arbeit – vorenthalten wurden. Ein „ehrlicher und realistischer Blick“ auf die Situation zeige, dass man nicht weitermachen könne, ohne ernsthafte Korrekturen am internationalen Wirtschaftssystem vorzunehmen.



Der Patriarch von Venedig unterstrich zugleich den „säkularen“ Charakter der nordafrikanischen Revolutionen. Die Unruhen hätten als wirtschaftlich begründete Aufstände begonnen, dann sei aber die Forderung nach mehr individueller Freiheit und nach einer effektiveren Kontrolle der staatlichen Apparate hinzugekommen, schließlich seien die Unruhen wahrhaft Revolutionen geworden, weil sie eine „bestimmte Idee des Menschen und der Gesellschaft“ hoch gehalten hätten. Diese Idee gelte es jetzt zu vertiefen, sagte Kardinal Scola. Im Grunde gehe es am Süd- und Ostufer des Mittelmeers um die selbe Frage, die auch die westlichen Gesellschaften umtreibe: Welchem Typus soll der Mensch des dritten Jahrtausends entsprechen?



Abschließend erinnerte der Patriarch an zwei Gestalten, „die der Kirche von Venedig besonders lieb und wert sind“: Den ermordeten Apostolischen Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese, und den ebenfalls ermordeten pakistanischen Minderheiten-Minister Shahbaz Bhatti. Padovano und Bhatti seien Vorbilder für die Christen und für die Menschen guten Willens.

“Oasis” entstand 2004 auf Initiative von Kardinal Scola als Studienzentrum und wurde 2009 in eine internationale Stiftung umgewandelt. Zweck des Studienzentrums und der Stiftung ist die Begegnung und das wechselseitige Kennenlernen von Christen und Muslimen; besonderes Gewicht wird auf die Lebenswirklichkeit der christlichen Minoritäten in islamisch dominierten Ländern gelegt.

Zentrale Forschungsbereiche von “Oasis” (das eng mit der venezianischen katholischen Hochschule “Studium Marcianum” zusammenarbeitet) sind die “Metissage des civilisations” (die Vermischung der Kulturen, ein Konzept, das Kardinal Scola der Idee vom “Kampf der Kulturen” – “clash of civilizations” – entgegenstellt), die Religionsfreiheit als “Königsweg” zur Behandlung des Verhältnisses von Wahrheit und Freiheit, das theologische und kulturelle Erbe der christlichen Minderheiten im Nahen Osten und das Phänomen des “Volksislam”, der von den islamistischen Strömungen heftig bekämpft wird.

Die Stiftung gibt die Halbjahreszeitschrift “Oasis” heraus, die auf italienisch, französisch, english, arabisch und Urdu erscheint. Auf der Website www.oasiscenter.eu veröffentlicht “Oasis” allwöchentlich die Übersetzung der Katechesen des Papstes auf arabisch. Außerdem publiziert “Oasis” auch zwei Buchreihen, eine wissenschaftliche und eine populäre.

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